Rendite bei P2P-Krediten hebeln

Vorstellung: Peerberry
3. September 2018
alle anzeigen

Rendite bei P2P-Krediten hebeln

P2P Kredite Hebel Blogbild
Mein heutiger Blogbeitrag soll sich auf das Investieren in P2P-Kredite mit Hebeleffekt beziehen und wurde maßgeblich von folgendem Ebook „inspiriert“:

E-Book P2P Hebeln

Ich hab das Ebook am Wochenende gelesen und der Autor erzielt mit seinem P2P-Investment eine Rendite von 75%. Die Grundlage hierbei bildet der Einsatz von Fremdkapital zur Steigerung der eigenen Rendite - der sogenannte Leverageeffekt.
Hebel im Alltag

Ich könnte wetten, dass jeder von uns schon einmal Fremdkapitalhebel im Alltag erlebt hat. Sei es „selbst angewendet“ oder man kennt Jemanden, der Jemanden kennt … Dazu muss man kein Wirtschaftsprofessor, Banker oder Unternehmer sein. Täglich nehmen Million von Menschen Kredite auf. Sei es für eine Immobilie, ein Auto, Möbel, Handys oder andere Konsumgüter. Über die Sinnhaftigkeit von Käufen auf Pump lässt sich streiten und das soll hier auch nicht das Thema sein. Fakt ist aber: In dem Moment der Kreditaufnahme, nutzt Derjenige den Fremdkapitalhebel (Kredit) um sich gegenwärtig Dinge zu kaufen, die er sich später in der Zukunft erst leisten hätte können.
P2P-Kredite hebeln

Natürlich kann man nicht nur seine Kaufkraft hebeln. Der Leverageeffekt funktioniert auch bei Geldanlagen. Und zwar funktioniert das immer dann, wenn die zu erwartende Rendite höher liegt, als die zu zahlenden Zinsen auf das Fremdkapital. Bei Immobilieninvestoren ist dies gang und gäbe. Oder auch Aktien werden häufig über Derivate gehebelt gehandelt. Ob das auch bei P2P-Krediten funktioniert?
Ein kleines Beispiel an Hand meines eigenen P2P-Portfolios:

Ich habe aktuell ca. 9.000€ In P2P-Kredite investiert (= Eigenkapital) und meine Rendite liegt bei rund 28%. Das entspricht einem jährlichen Gewinn von ca. 2.400€. Nicht schlecht oder?

Jetzt geh ich zu meiner Hausbank und nehme einen Kredit über 20.000€ über 48 Monate zu 3,89% Zinsen p.a. auf. Zum aktuellen Zeitpunkt ein realistisch machbarer Kredit oder? Die monatliche Rate beträgt 449,99€. In den 4 Jahren habe ich insgesamt 1.599,65€ an Zinsen/Gebühren zu bezahlen. Das macht im Durchschnitt eine monatliche Zinsbelastung von 33,33€. Klar, es handelt sich um ein Annuitätendarlehen, wo die monatliche Zinsbelastung rückläufig ist, aber zur Vereinfachung rechne ich mit dem Durchschnitt weiter.

Ratenkredit Beispiel

Als nächsten Schritt lege ich die Zusätzlichen 20.000€ in P2P-Kredite an. Mein Gesamtkapital liegt nun bei 29.000€, welches sich zu 28% p.a. vermehrt. Das entspricht nun einem jährlichen Gewinn von 8.129€. Dem gegenüber stehen 12x33,33€ Zinskosten. Die 399,96€ müssen entsprechend noch abgezogen werden, so dass ein Nettogewinn von 7.729,04€ unter dem Strich stehen bleibt.

Cool. Selbst nach Abzug der Kosten bleibt mehr als 3x soviel Gewinn über! Meine Eigenkapitalrendite (ROE=(Gewinn/Eigenkapital)*100) beträgt nun 85,88%.

Hast du nun €€€ Zeichen in den Augen? Die Rechnung stimmt mathematisch …
... ABER:

a) Bleibt meine bisherige Rendite auch zukünftig bei 28%? Tut sie nicht! Meine persönliche Rendite bei den P2P-Krediten wurde in den letzten Monaten wesentlich von meiner Bondora Zweitmarktstrategie beeinflusst und gepusht. Diese ist dieses Jahr, im Vergleich zu 2017, bisher viel weniger profitabel. Sie funktioniert noch, allerdings mache ich mir keine Illusionen. Das letztjährige Ergebnis werde ich wohl nicht erreichen. Bereinige ich meine Rendite von den Zweitmarktgewinnen, so dürfte diese bei ca. 15% momentan liegen. Damit funktioniert die Hebelkonstruktion immer, keine Frage.

b) Was ist, wenn doch mal eine komplette Plattform ausfällt? Schließt Bondora, als meine größte P2P-Plattform, heute seine Pforten, dann sind rund 2100€ weg. Ein herber Schlag – aber meine Gesamtrendite würde von 28% auf 12,3% fallen. Bei einem gehebelten Investment kommts hier dann schon auf den Ausfallzeitpunkt und der Verteilung des Fremdkapitals an. Der Leverageeffekt hebelt nicht nur Gewinne, sondern auch Verluste !!!

c) „Eilmeldung - P2P-Kredite sind mit sofortiger Wirkung staatlich verboten - Zwangsenteignung.“ Klingt absurd und total abwägig? Das dachten die Goldbesitzer vor der Weimarer Republik wahrscheinlich auch. Daran glaube ich auch nicht, sonst würde ich allgemein nicht in P2P investieren. Wenn man allerdings nach China guckt, kommen Krisen manchmal schneller, als man denkt. In dem Fall hätte ich nicht nur meine 9.000€ Eigenkapital verloren, sondern hätte zusätzlich noch 20.000€ Schulden an der Backe.

d) 33,33€ monatliche Zinsen sind kein Problem. Doch was ist mit dem Tilgungsanteil des aufgenommen Kredites? Die monatliche Kreditrate liegt doch bei 449,99€. Der Tilgungsanteil spielt zwar für die Vermögensbilanz keine Rolle (Aktiv-Passiv-Tausch im betriebswirtschaftlichen Sinne), aber muss trotzdem monatlich zurückgezahlt werden. Ich könnte den Kredit mit meinem monatlichen Einkommen nur sehr schwer stemmen. Ich müsste auf „Lebenqualität“ verzichten und mich von Toastbrot ernähren. Das möchte ich nicht. In dem Fall müsste ich den Tilgungsanteil monatlich direkt aus meinem P2P-Investment abziehen, was sich widerrum renditemindernd auswirkt. Rechnerisch möglich wäre es sogar ohne Kapitalverzehr. 7.729€ jährlicher Gewinn auf einen monatlichen Cashflow heruntergebrochen sind 644€. Abzüglich der 450€ Kreditrate bleiben 194€ freier Cashflow übrig ... Und etwas Aufwand natürlich, damit das Geld auch pünktlich auf dem Girokonto zur Abbuchung bereit ist. Die Abhilfe wäre hierfür ein Endfälliges Darlehen. Doch mir würde jetzt auf Anhieb keine Bank in meinem Umfeld einfallen, die derartige Kredite (zur freien Verwendung) vergibt. Mit einem Wertpapierkredit könnte man dies eventuell noch darstellen, doch dazu muss das Aktiendepot dick genug sein.

e) Wusstest du, dass ein aufgenommener Kredit deine Kreditwürdigkeit senkt? Jetzt stell dir mal vor, du hast einen Kredit für dein P2P-Investment aufgenommen und benötigst einige Zeit später kurzfristig selbst einen Kredit. Für etwas wichtiges - Autokauf oder ähnliches. Eine der ersten Stufen bei der Prüfung deiner Bonität ist deine Haushaltsrechnung. Kommst du mit der neuen Kreditrate unter die Pfändungsfreigrenze (aktuell in Deutschland bei 1140€), so wird es schon kompliziert mit der Genehmigung.

f) Ein kurzer Blick in die Geschichte. Der Börsencrash im Oktober 1929 löste eine Weltwirtschaftskrise aus. Mitten drin statt nur dabei – total überhebelte Kleinaktionäre, die in ihren Schulden ertranken. Das jüngste Beispiel ist wohl die Finanzkrise 2007. Sie begann mit dem Platzen der Immobilienblase in den USA und war es dann nicht letztendlich die Überhebelung der Großbanken, die direkt in die Weltwirtschaftskrise führte?! Wie werden die Schlagzeilen der nächsten großen Krise lauten? Denk einfach mal darüber nach ….
Meine Persönliche Meinung

Ich pflichte dem eingangs erwähnten Autor und seinem Buch bei. Die Renditen bei P2P-Krediten lassen sich über den Leverageeffekt durchaus effektiv steigern. Und es ist auch vollkommen richtig, dass jedes Unternehmen Hebeleffekte nutzt um zu skalieren. Es ist auch richtig, dass Investmentlegenden, wie Warren Buffet und Co. Hebel bei ihren Geldanlagen gezielt einsetzen. Doch ist es das gesteigerte Risiko wert? Für mich jedenfalls aktuell nicht wirklich. Für mich sind P2P-Kredite noch immer eine Hochrisikoanlage. Auch wenn die Buyback-Garantie einiger Anbieter das Risiko immer etwas verschleiert. Wir als Investoren sind ja bereits selbst ein Hebel. Wir helfen einem Kreditnehmer seine Kaufkraft zu hebeln, indem wir einem Anbieter Geld zur Verfügung stellen, der damit wiederum sein Kreditgeschäft hebelt. Kurz: Den Hebel des Hebels hebeln ?! - Nein, das ist nichts für mich. Dafür fehlt mir noch die nötige Expertise und auch das nötige Kleingeld. Und solltest du, genau wie ich, ein Investmentangänger oder -lehrling sein, dann kann ich dir nur abraten überhaupt darüber nachzudenken. Für mich ist es eher Finanzporno mit erheblichem Risiko!

Viel Text mit vielen Zahlen. Ich hoffe dein Gehirn glüht nicht so, wie meine Finger gerade eben. Wie ist deine Meinung zu dem Thema? - Lass es mich in den Kommentaren wissen!

2 Kommentare

  1. Lars Wrobbel sagt:

    Hi Stefan,

    eine durchaus spannende Idee, die ich selbst … niemals machen würde 🙂 Aber die Frage nach der Machbarkeit habe ich schon extrem oft bekommen.

    Viele Grüße

    Lars

  2. tbee sagt:

    Hallo Stefan
    schön geschrieben und vor allem ein gutes Fazit!
    Mir wäre das auch ein viel zu heißes Eisen eine Hochrisikoanlage zu hebeln.
    Bei Immobilieninvestments (kaufen um zu vermieten mit geringem EK) kann ich das noch nachvollziehen (auch wenn es da natürlich genaus schnell mal ordentlich den Bach runter gehen kann – ist ein Totalverlust idR unwahrscheinlich) bei Aktienkrediten wäre ich auch raus da ich damit nicht trade und bei buy & hold hebeln? Von daher nichts für mich und auch nichts was ich empfehlen würde, deshalb fahr ich auch mit carsharing und nicht mit dem Porsche ins Wochenende 😉

    grüße
    tbee

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website nutzt Cookies um die Nutzerfreundlichkeit für dich zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.